„Everyday is Fasching for me“ – Freddie Mercury, die Deutsche Eiche und Münchens queerer Karneval

„Everyday is Fasching for me“ – Freddie Mercury, die Deutsche Eiche und Münchens queerer Karneval

Alljährlich schlägt Münchens queeres Faschingsherz auf der Reichenbachstraße, vor der Deutschen Eiche. Die Tradition reicht weit zurück: Schon in den Nachkriegsjahren wurde hier mit schrägen Schwansee-Parodien und Amateur-Drag-Aufführungen ausgelassen gefeiert. Eine Party, die sich sogar Queen-Legände Freddie Mercury nicht entgehen ließ: „My God, they do know how to boogie“. 


In der Deutschen Eiche traf sich schon immer ein wunderbar buntes Völkchen. Händler aus der Großmarkthalle schauten auf ein Feierabendbier vorbei, Metzger vom Schlachthof im Süden stärkten sich, vermutlich mischten auch Prostituierte unter dem Regiment einer Zuhälterin namens Napoleon mit – und natürlich jede Menge Kunstschaffende. Kurz gesagt: Die Eiche war nie einfach nur ein Wirtshaus. Sie war Bühne, Treffpunkt und erweitertes Wohnzimmer zugleich.


Die Geburt der Faschingstradition der Deutschen Eiche

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das urige Lokal endgültig zum Magneten für Kreative, Dekorateure und Theatermenschen. Vor allem die Tänzer des Gärtnerplatztheaters brachten ein bisschen Glamour in die düstere Kneipe – und eine ordentliche Portion Queerness. Einer von ihnen, Ernst Craemer, sollte der Geschichte des Hauses ein ganz eigenes Kapitel hinzufügen: die legendäre Faschingstradition.

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Ella und Toni Reichenbach: Legendäre Wirtinnen der Deutschen Eiche

Zur gleichen Zeit übernahmen Ella und Toni Reichenbach als Wirtinnen das Regiment des Lokals – und waren längst Stoff für Anekdoten. Ella musste zwischenzeitlich sogar ins Frauengefängnis wegen Schleichhandels. Man hatte wieder einmal Schnaps vom Bodensee besorgt, um daraus hausgemachten Eierlikör herzustellen. Dem Wein sprach sie ebenfalls gerne zu. In der Küche legte sie wegen der Rutschgefahr Zeitungen aus – die sie beim Kochen allerdings las. Das Resultat: gelegentlich verkohlte Gerichte und der liebevolle Spitzname „Brandlhuberin“.


Schwanensee-Parodien & Amateur-Drag

Für Ernst Craemer waren die beiden eine Steilvorlage. An Fasching verwandelte er sie in Hauptfiguren seiner Parodien – etwa in einer herrlich schrägen Version von „Schwanensee“. Tage vorher wurde dekoriert, gesungen, geprobt und improvisiert. Dass sowohl Ella als auch ihre Schwägerin Toni unbedingt den weißen Schwan spielen wollten und nicht den schwarzen, war natürlich vorprogrammiert.


Die Beerdigung des Faschingsprinzen

Der unangefochtene Höhepunkt folgte am Faschingsdienstag: „die Beerdigung des Faschingsprinzen“. Die korpulente Toni wurde auf einen langen Tisch gebettet, Craemer schlüpfte in die Rolle des Pfarrers und „segnete“ das Publikum mit einer Klobürste. Vier kräftige Männer trugen die improvisierte „Bahre“, gefolgt von rund zweihundert ausgelassenen Gästen, einmal um den Gärtnerplatz und zurück ins Lokal. Lautstarke Klagelitaneien begleiteten den Umzug. Danach wurde gemeinsam aufgeräumt. Ordnung muss schließlich sein.


Freddie Mercury in München: Queen trifft auf die Deutsche Eiche

Noch viele Jahre später feierten prominente Stammgäste die inzwischen stadtbekannte Faschingstradition der Deutschen Eiche weiter – darunter auch Freddie Mercury, Sänger der Band Queen. In den 1980er-Jahren lebte er zeitweise in München und kam gerne zum spätnachmittäglichen Frühstück in die Eiche. Zusammen mit Barbara Valentin war er hier mehrfach Teil der Faschingsgaudi. Fotos zeugen vom wilden Treiben. „My God, they do know how to boogie“, sagte Mercury im Gespräch mit dem Journalisten David Wigg und ergänzte: „Everyday is Fasching for me.“ Der Queen-Sänger erschien allerdings unverkleidet – für die Bühne hatte er vermutlich schon genug Verwandlungen.

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Heutiger LGBTQ+ Fasching in München: Hausball & Straßenfest

Heute ist die Deutsche Eiche ein kleines Schmuckkästchen in der Reichenbachstraße – und geblieben, was sie immer war: ein Ort der Begegnung. Ende Januar lockt weiterhin ein großer Hausball mit wechselndem Motto, und am Faschingsdienstag verwandelt sich die Straße vor der Eiche in ein buntes Fest. Die Community kommt zusammen, DJs legen auf, Drag-Performances sorgen für Stimmung, Drinks und Bio-Leckereien gehen herum – und die kreativsten Kostüme werden prämiert.

Kurz gesagt: Die Eiche feiert immer noch mit Herz, Humor und einer kleinen Portion Wahnsinn. In diesem Sinne Eiche Alaaf!


Titelbild von Deutsche Eiche

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